Resource title

Führt Steuervereinfachung zu einer "gerechteren" Einkommensverteilung? Eine empirische Analyse für Deutschland

Resource image

image for OpenScout resource :: Führt Steuervereinfachung zu einer "gerechteren" Einkommensverteilung? Eine empirische Analyse für Deutschland

Resource description

In der Debatte über die Neuordnung der Einkommensbesteuerung in Deutschland gilt die Steuervereinfachung als eines der zentralen Reformziele. Das liegt nicht nur daran, dass das bestehende komplizierte System den Steuerpflichtigen und den Finanzbehörden hohe Verwaltungskosten aufbürdet. Die Komplexität des Steuersystems wird auch als eine Ursache für mangelnde Steuergerechtigkeit angesehen. Von komplizierten und intransparenten Steuergesetzen, so die verbreitete Einschätzung, werden vor allem Steuerzahler mit hohen Einkommen begünstigt, weil sie in der Lage sind, findige Steuerberater zu engagieren, Ausnahmetatbestände zu nutzen und so ihre Steuerlast zu mindern. Die These, dass Steuervereinfachung zu mehr Steuergerechtigkeit führt, ist indessen nicht unumstritten. Steuergesetze werden auch dadurch kompliziert, dass die Steuerpolitik versucht, Umstände, welche die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Steuerzahler beeinflussen, im Einzelfall möglichst umfassend zu berücksichtigen. Das scheint dafür zu sprechen, dass ein Steuersystem ohne einen gewissen Grad an Komplexität nicht gerecht sein kann. Dieses Argument wird von Befürwortern einer Vereinfachung des Steuersystems jedoch bestritten. Kirchhof (1994) spricht gar von einem "verfassungsrechtlichen Auftrag zur Steuervereinfachung"1 und argumentiert in der Einleitung zu seinem Einkommensteuergesetzbuch: "Je trennschärfer ein Einzeltatbestand gefasst ist, desto eher verfehlt er die Realität des Wirtschaftslebens und desto leichter wird er durch steuerbewusste Sachverhaltsgestaltung in seinem gleichheitsrechtlichen Anspruch widerlegt werden können."2 Nach dieser Auffassung ist der Versuch, der Vielfalt der Einzelfälle durch ein hochgradig differenziertes Steuersystem gerecht zu werden, zum Scheitern verurteilt. ; The simplification of the tax system is a key objective of many income tax reform proposals. This is not only because complexity leads to high compliance costs for taxpayers. The complexity of income tax systems is also seen as an obstacle to achieving a fair distribution of the tax burden. According to a widespread view, complexity allows taxpayers with high incomes to use tax loopholes and reduce their tax burden. The present paper investigates the distributional impact of tax simplification empirically, for the case of Germany. Our analysis is based on a simulation model for the German tax and transfer system (FiFoSiM) using income tax and household survey microdata. We model tax simplification as the abolition of a set of controversial deductions from the tax base included in the German income tax system. We find that this form of tax base simplification leads to a more equitable income distribution and, not surprisingly, an increase in tax revenue. If these measures are combined with a reduction of income tax rates to preserve revenue neutrality, the distributional impact depends on the type of rate schedule adjustment. The combination with a flat rate tax would imply that the reform redistributes in favour of the very high incomes, and overall income inequality increases. The combination with a less radical rate schedule adjustment, which preserves the directly progressive rate schedule, yields a tax reform which reduces the inequality of after tax incomes.

Resource author

Andreas Peichl, Clemens Fuest, Thilo Schaefer

Resource publisher

Resource publish date

Resource language

deu

Resource content type

text/html

Resource resource URL

http://hdl.handle.net/10419/23251

Resource license

Adapt according to the presented license agreement and reference the original author.